SOS `86 Kinder von Tschernobyl e.V.

Vom Gedanken zur Hilfe

Als ich im Jahre 1986 zum ersten Male von der Stadt Tschernobyl hörte, wusste ich noch nicht, dass die Folgen der Reaktorkatastrophe einmal mein Leben verändern würden.

"Tschernobyl, - ach das ist ja so weit entfernt und so anonym", habe ich mich damals sicherlich wie sehr viele Menschen beruhigt und bin zur normalen Tagesordnung übergegangen. Im Frühjahr des Jahres 1991 wurde ich dann auf den Verein "SOS `86 - Kinder von Tschernobyl" im Sauerland aufmerksam gemacht. Ein Verein, der sich schon damals um die Kinder der Familien aus der strahlengeschädigten Region um Tschernobyl gesorgt und ihnen in Deutschland die Gelegenheit zu einem mehrwöchigen Erholungsurlaub zur Stärkung ihres durch die Strahlenbelastung angegriffenen Immunsystems geboten hat.
Ich interessierte mich für die Arbeit des Vereins und besuchte mit meinem Sohn Stefan und dessen Freund Harald Christ die Initiatoren und damaligen Leiter des Vereins in Dorlar (Sauerland), die Eheleute Hussels.

Es folgte ein interessanter Abend im Hause des Arztes Christian Hussels und seiner Ehefrau, die sich intensiv mit den gesundheitlichen Folgeschäden des Supergaus auseinandergesetzt hatten. Weiterer Gesprächspartner an diesem Abend war Prof. Dr. Georgij Voytenko aus Kiew, der für die ukrainische Partnerorganisation des Vereins "SOS 86 - Kinder von Tschernobyl" im Sauerland, ein medizinisches Zentrum in Kiew aufbauen sollte. An diesem Abend stand für meinen Sohn Stefan, Harald Christ und mich fest: "Das ist eine gute Sache, die können wir auch nach Hessen und Rheinland-Pfalz bringen." Die Idee zur Gründung des Vereins "SOS Kinder von Tschernobyl Worms/Lampertheim" war geboren.

Es folgte ein erster Besuch meines Sohnes mit Harald Christ bei Professor Voytenko in Kiew und anschließend die Vorbereitung zur Gründung eines eingetragenen Vereins - und wer so etwas schon einmal durchgeführt hat, der weiss, welche Schwierigkeiten und Tücken im Vereinsrecht stecken und wie Rechtspfleger beim Amtsgericht arbeiten.

Nachdem alle Formvorschriften nach dem Vereinsrecht erfüllt waren, erfolgte am 01. September 1992 die Gründungsversammlung und Eintragung beim zuständigen Amtsgericht Worms.

Im Jahre 1993 bin ich dann das erste Mal mit einer Reisegruppe aus dem Sauerland nach Kiew gereist und habe Ostern in der Familie von Prof. Voytenko im Zentrum Kiews verbracht. Dort habe ich die ersten Kontakte zu den Tschernobyl-Hilfsorganisationen der Ukraine geknüpft. Die ersten 6 Tschernobyl-Kinder wurden eingeladen und ich habe mich gewundert, dass die finanziellen Mittel hierfür kurzfristig aufgebracht werden konnten. Große Unterstützung erfuhren wir von der Stadt Lampertheim und dem damaligen Bürgermeister Gisbert Dieter, sowie der Lampertheimer Bevölkerung. Mit der positiven Resonanz aus der Öffentlichkeit wuchs unser Verein.

Mittlerweile umfasst er rund 160 Mitglieder. Aus den ersten 6 Tschernobyl-Gästen sind über 1.800 geworden. 78 Hilfsgütertransporte in die Ukraine sowie  43 Informationsfahrten mit dem Reisebus nach Kiew zeigen, dass wir ein aktiver Verein sind, dessen Vorstand und Mitglieder davon überzeugt sind, dass auch weiterhin Hilfe für die Tschernobyl-Familien notwendig sein wird.

Rolf Konersmann