SOS `86 Kinder von Tschernobyl e.V.

Das Jahr 2015 war das 23. Tätigkeitsjahr unseres gemeinnützigen Vereines. Leider hielt uns in diesem Jahr auch wieder die unsichere politische Lage in der Ostukraine in Atem. Viele Hilfsorganisationen bedauerten, dass auf Grund der unsicheren politischen Lage in der Ukraine ihre Tätigkeit ganz eingestellt wurde bzw. keinerlei Delegationsreisen in die Ukraine durchgeführt wurden, da die seitherigen offiziellen Ansprechpartner in der Ukraine nicht mehr zuständig waren.

SOS `86 – Kinder von Tschernobyl e.V. hat die für 2015 geplanten Maßnahmen durchführen können. Die seit 2012 bestehende Zusammenarbeit mit unserer ukrainischen Partnerorganisation ZEMLYAKI „Landsleute“ konnte auf vertrauensvoller Basis vertieft werden. ZEMLYAKI ist die älteste in Kiew existierende Hilfsorganisation für Familien, die von der Tschernobyl-Katastrophe geschädigt wurden. Gegründet wurde diese Organisation bereits im Jahre 1987. Sie feiert 2017 ihr 30-jähriges Bestehen.
Seit unserer Zusammenarbeit ist auch ein Hilfsprogramm für Kinder aufgenommen worden. So konnten auch im Jahr 2015 zwei Kinder- und Familienerholungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die 44. Kinder- und Familienerholungsmaßnahme fand im August 2015 in Deutschland statt. Teilnehmer sind Kinder und mittlerweile dem Kindesalter entwachsene Jugendliche und auch schon Erwachsene, die größtenteils schon seit Jahren in „ihrer“ deutschen Gastfamilie beherbergt werden.
Für vier schwerstbehinderte Kinder in Begleitung ihrer Mütter fand mit unserer finanziellen Unterstützung ein 14-tägiger Erholungsurlaub in einem Sanatorium am Schwarzen Meer statt.

Im Laufe der Jahre haben wir 78 Hilfsgütertransporte in die Ukraine geschickt. Medizinisches Gerät, Krankenhauszubehör, Krankenbetten, Lebensmittel, Medikamente u.v.m. haben wir auf die entlegensten Dörfer bis hin zum Schwarzen Meer verteilt. Mittlerweile erachtet es der Vereinsvorstand als sinnvoller, gezielt Hilfsprojekte in der Ukraine zu unterstützen. Die an unsere Partnerorganisation übergebenen Geldspenden wurden im Jahr 2015 verwendet für:
Medikamente für schwerkranke Kinder und Erwachsene;
Unterstützung von Dialysepatienten;
Kindererholungsmaßnahmen in der Ukraine für schwerkranke Kinder und deren Betreuer;
finanzielle Unterstützung einer Rehabilitationseinrichtung für schwerbehinderte Kinder und Jugendliche in Kiew-Desnianski;
finanzielle Unterstützung unserer Partnerorganisation ZEMLYAKI;
Durchführung von Kinderfesten;
u.v.m.

Die ordnungsgemäße Verwendung der an die Partnerorganisation gespendeten Finanzmittel wird mindestens zwei Mal im Jahr von einem unserer Vorstandsmitglieder vor Ort in Kiew überprüft. Hierzu werden alle Kostenbelege vorgelegt und auf Plausibilität im Beisein einer Dolmetscherin geprüft.

Mindestens zwei Mal im Jahr (im Juni und Oktober) halten sich Vorstandsmitglieder unseres Vereines für ca. eine Woche anlässlich unserer Informationsfahrten bei unserer Partnerorganisation auf. In 2015 fanden die 46. Und 47. Informationsfahrt nach Kiew statt. Leider ist die Teilnehmergruppe zur Zeit nicht sehr groß. Ich hoffe aber, dass sich das künftig wieder ändern wird.
Höhepunkt der 47. Informationsfahrt war eine Einladung in das Rathaus der Hauptstadt der Ukraine, verbunden mit einer Führung durch das Haus. Dort konnten sich die deutschen Gäste die Fortschritte der Renovierungsarbeiten in dem riesigen Gebäude anschauen, das während der Unruhen auf dem Maidan im Jahre 2013 im Innenbereich stark verwüstet wurde. Weiterhin zeigte man der Besuchergruppe mit Stolz den neu fertiggestellten Ratssaal für die 120 städtischen Abgeordneten, welcher mit einer neuen elektronischen Anlage für Abstimmungen bestückt wurde. Künftig kann eine Abstimmung nur noch nach Legitimierung durch einen Fingerscanner durchgeführt werden. Vitali Klitschko, ehemaliger Weltmeister im Schwergewichtsboxen und nunmehr Oberbürgermeister der Stadt Kiew bedankte sich mit einer Ehrenurkunde der Staatsverwaltung der Stadt Kiew beim Vorsitzenden des Eicher Hilfsvereines. Die deutsche Übersetzung der Urkunde lieferte er gleich mit:
„Sehr geehrter Herr Rolf Konersmann! Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre vieljährige, wohltätige Hilfe, die Sie den durch Folgen der Tschernobylkatastrophe Betroffenen leisten. Ihre Menschlichkeit, Professionalität und das Streben, das Leben ukrainischer Menschen zu verbessern, verdienen alle Achtung.
Beste Wünsche für Ihre weitere Tätigkeit, Verwirklichung aller guten Vorhaben!
Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko.“

Am 6. November 2015 fand in der Katharinenkirche in Oppenheim eine Benefizgala zugunsten unseres Vereines statt. Die Vorbereitungen zu diesem Event haben ein Jahr in Anspruch genommen. Das „Beethoven Duo“, eines der bedeutendsten Duos der gegenwärtigen klassischen Musik - zwei ehemalige sowjetische Wunderkinder – hatten das Programm zusammengestellt und präsentierten Musik auf Weltniveau. Es war ein stilvoller Abend in der Katharinenkirche.

Im November 2015 habe ich Kontakt zum Auswärtigen Amt in Berlin aufgenommen und mich interessiert für das Programm „Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland“.
Hierzu habe ich eine Projektskizze zur Einschätzung der Erfolgsaussichten eines Förderantrages aus Mitteln für den Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland erstellt. Es soll ein zweigeteiltes Projekt werden:
Gründung eines „Deutschen Zentrums“ im Bezirk Kiew-Desnianski als Mittelpunkt unserer Arbeit in der Ukraine. Es soll Anlaufstelle für Ukrainer sein,
die Kontakte zu Deutschen bereits unterhalten bzw. künftig unterhalten möchten. Deutschunterricht für Kinder und Jugendliche soll kostenlos angeboten werden.
Dialogveranstaltungsreihe mit Studenten und Professoren der Taras-Schewtschenko-Universität in Kiew. In diesem Jahr sind vier Veranstaltungen geplant. Als Referent konnte ich Harald Christ gewinnen.
Mit Datum 15. Juni 2016 erhielt ich die Nachricht vom Auswärtigen Amt, dass unser eingereichtes Projekt mit positivem Votum an das Bundesverwaltungsamt zur Bescheidung weitergeleitet wurde.

Leider gab es im Jahr 2015 auch viele traurige Begebenheiten, so mussten wir uns von Julia Bagmut trennen, einer jungen 32-jährigen Mutter von zwei kleinen Kindern, die als Achtjährige bei einer unserer ersten Kindererholungsmaßnahmen nach Flörsheim-Dalsheim zu den Eheleuten Collet kam und bis ihrem Tode wie ein Familienmitglied aufgenommen wurde.
Weiterhin verstarb die fünfjährige Yelysaveta Skoryk im Klinikum in Dortmund, der wir seit zwei Jahren versucht haben zu helfen.
Auch mussten wir uns von unserem Vorstandsmitglied Andreas Schneider trennen, der im 47. Lebensjahr an Krebs verstarb sowie auch von unserem langjährigen Mitglied Eckhard Bühler.
Am 2. Februar 2016 verstarb nach schwerer Krankheit unser langjähriger Mäzen Horst Engelhardt im Alter von 91 Jahren. Horst Engelhardt hatte immer ein offenes Ohr für die Wünsche unseres Vereines. Seine jährlichen Spenden ermöglichten es, Hilfe in diesem Umfange in die Ukraine zu bringen. Wir werden diesen wunderbaren Menschen immer in Erinnerung halten.

Im April 2016 jährte sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 30. Mal. Ich habe an den Gedenkfeierlichkeiten in der Ukraine teilgenommen. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Hilfsverein „Tour der Leiden“ konnten wir die Feuerwehr der Stadt Kiew mit einigen neuen Einsatzuniformen sowie über 100 gebrauchten Ausgehuniformen der Feuerwehr Worms ausstatten. Ich habe die Wormser Uniformen dem Vorsitzenden des Hamburger Hilfsvereines Oliver Erhardt nach Hamburg gebracht, von dort hat er diese dann weiter nach Kiew transportiert. Vielen Dank Oliver Erhardt und Karsten Kaukel!
Unser Verein hatte anlässlich der Gedenkfeierlichkeiten einen Schülerwettbewerb „Rettet unseren Planeten“ unterstützt. Die Ausstellung der von den Schülern erstellten Bilder fand im Bezirksrathaus statt. Ich hatte die Ehre, die Gewinner mit Urkunden und kleinen Preisen beglückwünschen zu dürfen.

Die 48. Informationsfahrt nach Kiew fand vom 3. – 11. Juni 2016 statt. In dieser Zeit haben wir zwei Kinderfeste für Kinder durchgeführt, die schon Invaliden sind.
Auch wurden Gespräche mit Professoren der Universität und dem Vorstand unserer Partnerorganisation zur Vorbereitung unseres Projektes mit dem Auswärtigen Amt geführt.

Am 1. Juli werde ich zu einer Besprechung wegen der geplanten Zusammenarbeit der Kiewer Taras-Schewtschenko-Universität mit der Hochschule Wildau nach Berlin fahren, um Vorgespräche mit dem Rektor der Universität Wildau, Harald Christ sowie einer Abordnung aus Kiew zu führen.

Zum Abschluss meines Jahresberichtes möchte ich mich bei meinen Mitstreitern im Vorstand für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den letzten Jahren bedanken, ein weiterer Dank gilt allen, die unsere Arbeit unterstützt haben sowie unseren Mitgliedern.

Rolf Konersmann
1. Vorsitzender