SOS `86 Kinder von Tschernobyl e.V.

2014-06 Inforeise Nr. 44
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Pavlo Klimkin, Außenminister der Ukraine, mit den Vorstandsmitgliedern...
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Besuch bei der Partnerorganisation "Landsleute"
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Rückstände des Aufstandes im Zentrum Kiews, Nähe Maidan
Spendenübergabe in einem Kiewer Waisenhaus

"SOS `86 - Kinder von Tschernobyl e.V." überbringt 14.000 Euro Spenden

Vom 14. bis 21. Juni 2014 fand die 44. Informationsreise des Vereines "SOS `86 - Kinder von Tschernobyl e.V." statt.
Die derzeitige schwierige politische Situation in der Ukraine hielt viele Interessenten davon ab, an der Reise teilzunehmen, so dass nur eine kleine Gruppe unter Leitung des Vereinsvorsitzenden Rolf Konersmann die Flugreise antrat.

Reiseziel war der Kiewer Bezirk Trojeschina. Hierhin wurden 14.000 Einwohner der Kraftwerksstadt Pripjat nach der Tschernobyl-Katastrophe im Jahre 1986 evakuiert. Damals war Trojeschina größtenteils noch im Rohbauzustand. Ein Ring aus 36 vierzehnstöckigen Plattenbauten, die sich um Kindergärten, Schulen, Einkaufszentren und mittlerweile Erholungszonen und Parks gruppieren. Eigentlich sollten dort ursprünglich Kiewer einquartiert werden, die seit Jahren auf eine Wohnung warteten - und nun wieder leer ausgingen. So war es verständlich, dass die Pripjat-Umsiedler nicht gerade freundlich in Kiew aufgenommen wurden. Sie konnten so oft zu den Behörden laufen, so viele Eingaben machen, um die von der Regierung versprochene Unterstützung zu erhalten, wie sie wollten - es änderte sich nichts.

In dieser Situation entschlossen sich ein paar Frauen, die erste Selbsthilfeorganisation zu gründen. "Semljaki" sollte den Pripjatern - also den Menschen aus der Region Tschernobyl - helfen, ihre Rechte auf medizinische Versorgung, Sanatoriumsaufenthalte, Zusatzurlaub, Nahrungsmittelbeihilfen, Frührente usw. durchzusetzen.

Semljaki" heißt "Landsleute". Ehrenamtliche Mitarbeiter aus der alten Heimat helfen auch heute noch ihren Vereinsmitgliedern bei Behördengängen und Eingaben und insbesondere bei medizinischen Problemen. Sie versorgen ihre Mitglieder mit Medikamenten und organisieren Erholungsurlaube insbesondere für schwerbehinderte Kinder im eigenen Land. Bei diesen Projekten unterstützt "SOS `86 - Kinder von Tschernobyl e.V." die "Landsleute" finanziell seit nunmehr zwei Jahren.

Nach den Kämpfen in der Hauptstadt Kiew im Frühjahr 2014 ist wieder Ruhe eingetreten und die Bürger bemühen sich, zu einem einigermaßen normalen Leben zurück zu finden.
Die Unruhen haben sich auch negativ auf die seither schon nicht so rosige wirtschaftliche Situation der normalen Einwohner ausgewirkt. So hat die ukrainische Währung in diesem Jahr über 30 % an Wert verloren. Die Lebensmittelpreise sind stark gestiegen, viele Bürger haben ihren Arbeitsplatz verloren und in vielen Bereichen wurden die Löhne gekürzt. Am Straßenverkehr ist deutlich zu ersehen, dass das Geld viel knapper geworden ist. Stand man in den letzten Jahren in der gesamten Stadt Kiew grundsätzlich im Stau, so findet man nun mindestens 30 % weniger Fahrzeuge auf den Straßen und keine Staus mehr.
Unvorstellbar für Westeuropäer ist, dass Menschen ohne soziale Absicherung leben müssen, ohne Krankenkassen und meistenteils ohne Versicherungen.

So krass wie auf dieser Reise haben sich die Gegensätze in der Ukraine noch nicht gezeigt. Einerseits konnte die Reisegruppe die Dankbarkeit von krebskranken Menschen entgegennehmen, die "SOS `86 - Kinder von Tschernobyl e.V." mit ca. 11.500 Euro finanziell unterstützte, um lebensnotwendige Medikamente kaufen zu können - hier insbesondere Medikamente für Chemotherapien und Medikamente zum Aufbau des Immunsystems; und weitere 2.500 Euro konnten an die "Landsleute" übergeben werden zum Kauf von Medikamenten für die von ihnen betreuten schwerkranken Kinder sowie zur Finanzierung von Erholungsmaßnahmen in den Karpaten.

Andererseits konnten die Reiseteilnehmer aber auch erleben, was Korruption in diesem Lande bedeutet. Sie besuchten den prunkvollen Landsitz des ehemaligen Präsidenten der Ukraine, Viktor Janukowitsch. Auch das ist für alle unvorstellbar gewesen, dass der Präsident eines Landes, welches wirtschaftlich am Abgrund steht, sich einen 180 Hektar großen Park mit einem integrierten 18-Loch-Golfplatz   sowie Tennisplätzen leisten kann, ohne dass sich Mahner finden, die dieses publik machen und kritisieren.

"SOS `86 - Kinder von Tschernobyl e.V." bedankt sich auf diesem Wege nochmals bei allen, die die Arbeit des Vereines unterstützen insbesondere bei der Horst und Eva-Engelhardt Stiftung, die "SOS `86"   seit Jahren in die Lage versetzt, bedürftigen Menschen in der Ukraine Hilfe und neuen Lebensmut zu geben.

Der von dem neuen Oberbürgermeister der Stadt Kiew, Dr. Vitali Klitschko, eingesetzte neue Bürgermeister für den Bezirk Trojeschina, ein Held vom Maidan und ehemaliger Boxweltmeister der Amateure im Halbschwergewicht, empfing die Gruppe und hob im Gespräch hervor, dass das Hauptziel der neuen Regierung die Bekämpfung der Korruption sei. Hierzu ist den neuen Politikern viel Erfolg zu wünschen, besonders dass die Ukraine in der Lage ist, verlorenes Vertrauen wieder zurück zu gewinnen.

Mit der Bestellung des neuen Außenministers Pavlo Klimkin hat man einen guten Griff getan, denn er kennt die wichtigen Politiker der EU und hat maßgeblich am Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Ukraine mitgewirkt. Pavlo Klimkin war zuletzt Botschafter der Ukraine in Deutschland und hat bei mehreren Zusammenkünften mit Rolf Konersmann den langjährigen Einsatz von "SOS `86 - Kinder von Tschernobyl e.V." für die hilfsbedürftigen Menschen in der Ukraine als keine Selbstverständlichkeit gewürdigt.

Den Abschluss der 44. Informationsreise in die Ukraine bildete ein von "SOS `86" - Kinder von Tschernobyl e.V." gesponsertes Kinderfest sowie ein Grillfest mit den Mitarbeitern der ukrainischen Partnerorganisation "Landsleute", die sich für die aus Deutschland gebrachte Hilfe sehr bedankten und zum Ausdruck brachten, dass ihre Arbeit auch weiterhin der Unterstützung aus Deutschland bedarf.

Die nächste Informationsreise Nr. 45 findet im Oktober 2014 statt. "SOS `86 - Kinder von Tschernobyl e.V." ist gespannt, was sich bis dahin in der Ukraine für die Menschen zum Positiven geändert haben wird.

Rolf Konersmann