Bericht 46. Informationsreise in die Ukraine (2015)

Ukraine - Land zwischen Hoffnung und Verzweiflung

 

Bericht zur 46. Informationsreise von SOS `86 - Kinder von Tschernobyl e.V. in die Ukraine.

 

Im Mai 2015 fand die 46. Informationsreise des Vereines SOS´86 - Kinder von Tschernobyl e.V. in die Ukraine statt.

Die kleine Reisegruppe startete vom Flughafen Frankfurt/Main mit der Air Ukraina zum Flughafen Kiew-Borispol, wo sie vom Vorstand der ukrainischen Partnerorganisation freudig empfangen wurde.

Seit dem Jahre 1992 bringt SOS 86 - Kinder von Tschernobyl e.V. humanitäre Hilfe in die Ukraine. Wurden zunächst nur Erholungsaßnahmen für Kinder aus den Familien der Tschernobylopfer in Deutschland durchgeführt, schlossen sich alsbald auch Hilfsgütertransporte und jhrlich zwei Informationsfahrten nach Kiew an.

Im Laufe der Jahre können wir auf 78. Hilfsgütertransporte zurückblicken. Mittlerweile erachtet es der Vereinsvorstand als sinnvoller, gezielt Hilfsprojekte in der Ukraine finanziell zu unterstützen.

Im Mai konnte der Verein wiederum einen Betrag von 8.000,00 EUR für Bedürftige zur Verfügung stellen. Die Gelder werden in diesem Jahr verwendet für:

  • Medikamente für schwerkranke Kinder und mittlerweile auch Erwachsene;
  • Unterstützung von Dialysepatienten;
  • Kindererholungsmaßnahmen für schwerkranke Kinder und deren Betreuer in der Ukraine;
  • Unterstützung einer Rehabilitationseinrichtung für schwerbehinderte Kinder und Jugendliche in Kiew-Desniansky;
  • Unterstützung der ukrainischen Partnerorganisation
  • v.m.

Die Ukraine, die erst seit 29 Jahren ein selbstständiger Staat ist, trägt heute noch schwer an den Folgen der Reaktorkatastrophe von 1986. Nach Auflösung der Sowjetunion trug sie die alleinige Verantwortung, die Folgen des SuperGAUS zu bewältigen. Hinzu kam der Aufbau eines neuen Staatswesens, Loslösung vom Kommunismus und Hinwendung zur Demokratie.

Schon in den 90er Jahren  war die Ukraine in zwei Richtungen gespalten: die Ostukraine wollte eine Annäherung an Russland und die Westukraine an die Europäische Union. Leider haben es die ukrainischen Politiker bis heute nicht geschafft, diese Zerreissprobe so zu lösen, dass alle Ukrainer in Frieden miteinander leben können. Das vom ehemaligen ukrainischen Staatspräsidenten Janukowitsch  nicht unterzeichnete Assoziierungsabkommen mit der EU, brachte dann noch das Fass zum überlaufen. Zunächst kam es zu gewalttätigen Demonstrationen auf dem Maidan in Kiew, bei denen Scharfschützen an die hundert Demonstranten gezielt erschossen. In der Folge kam es auch in der Ostukraine zu Demonstrationen, die sich mittlerweile zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet haben. Separatisten in Donezk und Lugansk haben eigene Republiken ausgerufen. Die Situation ist unüberschaubar, da auch Privatarmeen, die von Oligarchen finanziert werden, an den Auseinandersetzungen teilnehmen und ein regelrechter Propagandakrieg, an dem sich die russische und ukrainische Regierung beteiligen, die Menschen zusätzlich stark verunsichern.

Unter diesem Krieg leidet die Bevölkerung sehr stark. Es herrscht in vielen Familien große Verzweiflung, da Männer zwischen 20 und 60 Jahren zum Militädienst einberufen werden, der ukrainische Staat aber nicht einmal in der Lage ist, seine Soldaten mit Waffen und vernünftigem Material zu versorgen, selbst bei der Verpflegung kommt es zu Engpässen, von der medizinischen Versorgung ganz zu schweigen.

Die Hoffnung der Menschen besteht darin, dass sie weiterhin Hilfe aus dem Ausland erhalten, um überleben zu können und dass ihre Politiker in der Lage sein werden, die Korruption im Lande wirkungsvoll zu bekämpfen, damit die Ukraine endlich, nach nunmehr fast dreißig Jahren staatlicher Selbstständigkeit, sich selbst ernähren kann und international zu einem vertrauenswürdigen Verhandlungspartner wird.

Seit Beginn unserer Vereinstätigkeit haben wir immer wieder gesagt, dass unsere humanitäre Hilfe für Menschen in der Ukraine ein kleiner Beitrag am Bau eines gemeinsamen europäischen Hauses sein soll. Das ist heute noch wichtiger als vor 23 Jahren. Aus diesem Grunde hofft SOS ´86 - Kinder von Tschernobyl e.V., dass sich auch künftig Menschen finden, die helfen, dass unser Verein auch weiterhin am Bau eines gemeinsamen europäischen Hauses tätig sein kann.