Lampertheimer Zeitung - Eine positive Bilanz (1993)

Eine positive Bilanz (Lampertheimer Zeitung 1993)

"S.O.S. '86 - Kinder von Tschernobyl" besteht ein Jahr

Lampertheim. (zg) Vier Erholungsaufenthalte für die strahlengeschädigten Kinder von Tschernobyl, zwei Hilfsgütertransporte, zwei Interessentenfahrten nach Kiew und viele erfolgreiche Sammelaktionen - diese stolze Bilanz kann der noch junge Verein "S.O.S. '86 - Kinder von Tschernobyl nach einem Jahr vorweisen. Möglich geworden sei dieser Erfolg durch die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, die mit ihrer Unterstützung das Hilfskonzept mit Leben erfüllt habe.

"Grund genug", so der Erste Vorsitzende Rolf Konersmann, sich auch einmal öffentlich bei allen Helfern zu bedanken. Vor allem in Zeiten, in denen auch in Deutschland viele Familien (wieder) den Pfennig umdrehen müssen, sei es keine Selbstverständlichkeit, vier Wochen lang sein Haus und Herz für diese Kinder zu öffnen, die im nur zwei Kilometer entfernt gelegenen Pripjat der Katastrophe unmittelbar ausgesetzt waren. Und doch fanden sich für mehr als 100 Kinder Gasteltern.

Eine große Unterstützung und Ermutigung erfuhr "S.O.S. '86 - Kinder von Tschernobyl" auch durch die steigende Mitgliederzahl des eingetragenen und als gemeinnützig anerkannten Vereins. Durch die vielen Sachspenden, sowohl von Privat- als auch von Geschäftsleuten, die mit Nahrungsmitteln und Medikamenten, Kleidung und Schuhen - sehr gut erhalten und teilweise neu - die Hilfstransporte ermöglichten. Durch Geldspenden, mit denen der Verein Medikamente (oft von den Firmen zu Sonderkonditionen überlassen) kaufen konnte. Und nicht zuletzt durch die bereitwillige Unterstützung durch die Stadt Lampertheim, die ebenfalls Mitglied bei "S.O.S. '86 - Kinder von Tschernobyl" ist.

Diese große Akzeptanz liegt sicher auch daran, daß der Spender weiß, daß seine Spende direkt in die dafür bestimmten Hände gelangt. "Von jeder gestifteten Mark werden 100 Pfennige in Hilfe umgesetzt", erklärt Konersmann. Stets werden die Hilfsgütertransporte, die von der Spedition Kleßinger kostenlos durchgeführt werden, von Vorstandsmitgliedern begleitet, die sicherstellen, daß wirklich alles am richtigen Bestimmungsort landet.

Ruhezeiten auf dem Lorbeerblatt gönnt sich der Verein nicht. So laufen bereits die Vorbereitungen für den nächsten Kindererholungsaufenthalt in der Zeit vom 19. März bis 16. April 1994. Und es wird fleißigst gesammelt für den nächsten Hilfsgütertransport Anfang November diesen Jahres. In Kiew, wohin die ehemaligen Einwohner von Pripjat evakuiert wurden, fehlt es an allem. In der Poliklinik I, die ebenfalls von "S.O.S.'86 - Kinder von Tschernobyl" unterstützt wird, gibt es für die Neugeborenen beispielsweise weder Mullbinden noch Hemdchen. Auf fünf Babys kommt ein Fläschchen. Wer das Pech hat, operiert werden zu müssen, muß sein Verbandsmaterial mitbringen, weil die Klinik nichts hat.

Sachspenden werden auf Wunsch auch abgeholt. Für weitere Auskünfte oder zur Vereinbarung eines Abholtermins stehen Ihnen gerne zur Verfügung: Werner Kengelbach unter der Telefonnummer 06206/5 84 74 und Walter Pitzer, der für das ausgeschiedene Vorstandsmitglied Barbara Mehl nachrückte, unter 06206/5 83 30.