SOS `86 Kinder von Tschernobyl e.V.

„Gegen das Vergessen kämpfen“

Auswärtiges Amt fördert zweigeteiltes Projekt des Eicher Vereins in der Ukraine

EICH. Gute Nachrichten für den Eicher Verein „SOS ‘86 - Kinder von Tschernobyl“. Das Auswärtige Amt fördert mit rund 14 000 Euro das in diesem Jahr gestartete, zweigeteilte Projekt des Vereins. In Kiew entstand ein deutsches Zentrum als Mittelpunkt der Vereinstätigkeit in der Ukraine. Dort erhalten unter anderem Jugendliche Unterricht in der deutschen Sprache. Außerdem begann im September eine Diskussionsveranstaltungsreihe mit Studenten der Taras-Shevchenko-Universität in der Ukraine. Vereinsvorsitzender Rolf Konersmann erzählt im Gespräch, wie aktuell die Reaktorkatastrophe von 1986 ist und was der Verein alles leistet.

INTERVIEW

Herr Konersmann, was bedeutet das für Sie, dass ihre Projekte weiterhin gefördert werden?

Seitdem sich unser Verein mit Hilfe für die Ukraine engagiert, habe ich immer zum Ausdruck gebracht, dass das unser kleiner Beitrag am Bau eines gemeinsamen europäischen Hauses sein soll. Denn wir Deutschen müssen der Ukraine helfen, den Weg nach Europa zu beschreiten. Eine weitere Förderung für diese Arbeit ist für uns dringend erforderlich.

Was kostet das Projekt und wie hoch ist die Fördersumme?

Im Jahr 2016 war das durchgeführte Projekt mit rund 20 000 Euro veranschlagt, 6000 Euro hat unser Verein aus Eigenmitteln aufgebracht. Natürlich hoffen wir, dass wir auch für 2017 gefördert werden, zudem sind wir auf Spender angewiesen, die uns unterstützen.

Der Name Ihres Vereins erinnert an eine Katastrophe, die 30 Jahre zurückliegt. Wie aktuell ist Tschernobyl denn heute?

Tschernobyl ist heute in Deutschland bei all den Katastrophen in der Welt nicht mehr aktuell. Für die Ukraine ist aber die Tschernobyl-Hilfe nötiger denn je. Unser Vereinsname entstand im Jahre 1991, fünf Jahre nach der Reaktorkatastrophe. Damals wollten wir zunächst den Kindern und Familien helfen, die von der Katastrophe betroffen waren. Mittlerweile bieten wir nicht nur Kinder- und Familienerholungsmaßnahmen an, sondern führen auch Informationsreisen in der Ukraine durch. Wir arbeiten zudem mit einer Partnerorganisation in Kiew zusammen, die wir mit Medikamenten unterstützen.

Je weiter die Katastrophe zurückliegt, umso mehr gerät sie in Vergessenheit.Wie kann man Ihrer Ansicht nach dieser Entwicklung entgegenwirken?

Es ist schwierig, heute noch die deutsche Bevölkerung für das Thema Tschernobyl zu sensibilisieren. Aber Tschernobyl steht heute nicht nur für die Beseitigung der Folgen der Reaktorkatastrophe. Es steht auch dafür, Unterstützung für die Zivilgesellschaft der Ukraine für mehr Demokratie und Lebensqualität ins Land zu bringen. Wie gesagt, einfach ist es nicht, gegen das Vergessen anzukämpfen. Nur wer die Ukraine bereist und selbst erfahren hat, wie zerrissen dieses schöne Land ist, oder Kontakte in die Ukraine hat, wird sich weiter mit dem Thema beschäftigen.

Im kommenden Jahr feiert Ihr Verein 25-jähriges Bestehen. Was ist geplant?

Die Planung für unser 25-jähriges Bestehen beginnt bei unserer nächsten Vorstandssitzung, die am Freitag, 2. Dezember, abgehalten wird. Hier wird von den Teilnehmern dann auch der Grundstein für das Jubiläumsjahr gelegt. Selbstverständlich ist auch eine Jubiläumsveranstaltung Ende September 2017 vorgesehen.

Welche Änderungen sind innerhalb des Vereins geplant?

Geplant ist, dass bei der Mitgliederversammlung im Jahr 2018 eine Entscheidung über eine Änderung des Vereinsnamens getroffen wird. Der neue Vereinsname soll dann den Vereinszweck und die Zielsetzung des Vereines ganz deutlich machen, mehr als es bisher der Fall ist.

Das Interview führte Ali Reza Houshami (Wormser Zeitung vom 23.11.2016).

Freuen sich über die finanzielle Unterstützung durch das Auswärtige Amt:

Rolf Konersmann (r.)‚ Vorsitzender des Vereins „SOS '86 - Kinder von Tschernobyl", und Harald Christ, Vorstandsvorsitzender der ERGO Beratung und Vertrieb AG sowie Mitbegründer des Eicher Vereins. Foto: Konersmann

 

„Deutsches Zentrum“ als Mittelpunkt der Vereinsarbeit

Auswärtiges Amt fördert Projekt des Eicher Vereins ,,SOS ‘86 - Kinder von Tschernobyl e.V.“

Der Bundesregierung ist sehr daran gelegen, dass Organisationen der Zivilgesellschaft und die in ihnen engagierten Bürger wichtige Partner des Staates werden und diesen beim Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft sowie Russland unterstützen.

Um dieses zu erreichen, hat das Auswärtige Amt ein Förderprogramm ausgeschrieben. Das von Rolf Konersmann, dem Vorsitzenden des Vereins SOS ‘ 86 - Kinder von Tschernobyl e.V., entwickelte und zur Entscheidung eingereichte zweigeteilte Projekt ,,Gründung eines "Deutschen Zentrums" in Kiew und "Dialogveranstaltungsreihe mit Studenten der Taras Shevchenko Universität" wurde geprüft und für Förderungswürdig befunden. Das "Deutsche Zentrum" in Kiew soll Mittelpunkt der fast 25-jahrigen Arbeit des Vereines in Kiew sein.

Es wird dort kostenloser, qualifizierter Deutschunterricht für Jugendliche angeboten, weiterhin werden Kinderfeste und Gesprächsrunden mit ukrainischen Bürgern veranstaltet, sowie Ukrainern die Möglichkeit geboten, Kontakte zu deutschen Familien aufzubauen bzw. zu vertiefen. Heute kann man feststellen, dass dieser Projektteil sehr erfolgreich war und bis jetzt Kontakte zu über 300 Ukrainern aufgebaut werden konnten.

Dialogveranstaltungsreihe

In den bisher drei Dialogveranstaltungen konnten durchschnittlich 40 Studenten und Professoren in den Räumen der Taras Shevchenko Universität, der größten Universität der Ukraine, begrüßt werden. Als Referenten fungieren Harald Christ, Vorstandsvorsitzender der ERGO Beratung und Vertrieb AG sowie Rolf Konersmann, Vorsitzender des Vereines SOS ‘ 86 - Kinder von Tschernobyl e.V. Als Wunschthemen der ukrainischen Studenten wurde insbesondere über Bildungspolitik und Chancen auf dem Arbeitsmarkt rege diskutiert.

Die Veranstaltungen werden in deutscher Sprache durchgeführt. Weiterhin vorgesehene Themen befassen sich mit Demokratie und Wirtschaft, die Europäische Union sowie Kapital- und Finanzmärkten. Nachdem die Veranstaltungsreihe 2016 große positive Resonanz in der Ukraine gezeigt hat, hat sich der Vorstand des Vereines SOS ‘ 86 - Kinder von Tschernobyl e.V. entschieden, das Projekt im kommenden Jahr fortzuführen und für 2017 erneut eine Forderung vom Auswärtigen Amt zu beantragen.

Dr. Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister des Auswärtigen und Mitglied des Deutschen Bundestages bedankte sich im November in einem persönlichen Schreiben bei Harald Christ, dass der Verein SOS ‘ 86 - Kinder von Tschernobyl e.V. und er sich so stark für den deutsch-ukrainischen Dialog engagieren und dass das Auswärtige Amt dieses schone Projekt unterstützen kann. Weiterhin bat er, persönlich über die Ergebnisse und Erfahrungen dieses Projektes auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Freuen sich über die finanzielle Unterstützung durch das Auswärtige Am...

BILD Als Referenten fungieren Harald Christ (links), Vorstandsvorsitzender der ERGO Beratung und Vertrieb AG sowie Rolf Konersmann, Vorsitzender des Vereines SOS '86 - Kinder von Tschernobyl e.V. In den bisher drei Dialogveranstaltungen konnten durchschnittlich 40 Studenten und Professoren begrüßt werden.

(Nibelungen-Kurier vom 19.11.2016)

 

25. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine

Einladung für S.O.S. ´86 – Kinder von Tschernobyl  e.V.


Die Nuklearkatastrophe im Kraftwerk von Tschernobyl am 26. April 1986 wurde zu einem Symbol für das Versagen des kommunistischen Systems. Als der damalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow die Perestroika einleitete, den Prozess zum Umbau und zur Modernisierung des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Systems der Sowjetunion, verbunden mit der Aufhebung der Einschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit (Glasnost), was  im  weiteren
Sinne die Demokratisierung des Staates bedeutete, konnte er nicht voraussehen, dass dieser    Prozess zum Verfall der Weltmacht Sowjetunion führte und mit der Unabhängigkeit der 15 sowjetischen Unionsrepubliken zwischen dem 11. März 1990 und dem 25. Dezember 1991 seinen Abschluss fand.

Prof. Dr. hc. mult Hansjürgen Doss, Honorarkonsul der Ukraine, A Polyova, Generalkonsulin der Ukraine in Frankfurt, Rolf Konersmann, 1. Vorsitzender S.O.S. ´86 - Kinder von Tschernobyl e.V.

 

Prof. Dr. hc. mult Hansjürgen Doss, Honorarkonsul der Ukraine, A Polyova, Generalkonsulin der Ukraine in Frankfurt, Rolf Konersmann, 1. Vorsitzender S.O.S. ´86 - Kinder
von Tschernobyl e.V.


Am 28. August 1991 erklärte die Ukraine ihre staatliche Unabhängigkeit. Zur Feier des 25. Jahrestages der Unabhängigkeit der Ukraine hatte die Generalkonsulin der Ukraine, Frau Alla Polyova, für Montag, dem 19. September, nach Frankfurt eingeladen. Rolf Konersmann, 1. Vorsitzender des Vereines S.O.S.´86 Kinder von Tschernobyl e.V. folgte der Einladung und nahm an dem Empfang teil.
Die Generalkonsulin begrüßte die ca. 100 Ehrengäste, unter ihnen viele ausländische und deutsche Diplomaten, und gab einen Überblick über die aktuelle Situation der Ukraine. Sie unterstrich, dass die Ukraine zu Europa gehöre und bedankte sich insbesondere bei der deutschen Regierung für die große Unterstützung ihres Landes. In einem längeren persönlichen Gespräch bat Frau Polyova Herrn Konersmann auch, den Mitgliedern und Freunden des Vereines S.O.S.´86 - Kinder von Tschernobyl e.V. ihren Dank zu übermitteln für die vom Verein jahrzehntelang getätigte Hilfe für die Opfer der Tschernobylkatastrophe. Interessiert ließ sie sich über das derzeit laufende Projekt des Vereines in Verbindung mit dem deutschen Auswärtigen Amt berichten, das im April 2016 begonnen wurde. Es entstand in Kiew ein Deutsches Zentrum als Mittelpunkt der Vereinstätigkeit in der Ukraine. Hier erhalten u.a. Jugendliche Unterricht der deutschen Sprache. Weiterhin beginnt am 23. September eine Diskussionsveranstaltungsreihe mit Studenten der größten Universität der Ukraine, der Taras-Shevchenko-Universität. Harald Christ, Ehrenvorsitzender von S.O.S.´86 – Kinder von Tschernobyl e.V., wird als Referent im Themenbereich „Zivilgesellschaft und Wirtschaft“ fungieren. Die Generalkonsulin wünschte Herrn Konersmann für die Durchführung dieses Projektes viel Erfolg und versprach, dem im Jahre 2017 stattfindenen 25-jährigen Vereinsjubiläum beizuwohnen.

 

Tschernobyl - 30 Jahre danach

Noch immer kein Ende der gesundheitlichen Folgen in Sicht – der Verein SOS`86 – Kinder von Tschernobyl gedenkt im April 2016 der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.

Die Nachricht sickerte langsam durch. In Schweden wurde verstärkt radioaktive Strahlung gemessen, für die es keine Erklärung gab. Nur die Richtung, aus der sie kommen sollte, konnte man einigermaßen lokalisieren. Sie kam aus dem Südosten, also aus Richtung der damasligen Sowjetunion. Doch die dortige Regierung schien von nichts zu wissen und nicht weiterhelfen zu können. Nachdem aber die Messungen immer präziser wurden und alarmierende Ausmaße annahmen, konnte eine Informationssperre nicht weiter aufrechterhalten werden.

Am 26. April 1986 erlitt das Atomzeitalter in seiner kurzen Geschichte den ersten Super-GAU, den ersten „größten annehmbaren Unfall“. In Tschernobyl in der Ukraine war es in Block vier des Atomkraftwerkes zur Kernschmelze gekommen, die giftige Strahlung freigesetzt hatte. In dem schlecht gewarteten Werk versagten alle Kontrollmechanismen und alle Rettungsversuche erstickten in Hilflosigkeit. Ein ganzer Landstrich  – und fast ganz Europa – wurde verseucht, zahllose Opfer sind zu beklagen und die Folgen sind noch bis heute zu spüren.

Ein harmloser Test steht am Anfang der unbegreiflichen Entwicklungen im ukrainischen „Lenin“-Kraftwerk in Tschernobyl.  In der Nacht vom 25. auf den 26. April 1986 soll die Betriebsmannschaft im Reaktorblock vier prüfen, ob die Turbine bei einem Stromausfall noch genügend mechanische Restenergie für die Kühlwasserpumpen liefert.  Diese Tests hatten schon vorher mehrfach stattgefunden, allerdings unter wesentlich sicheren Bedingungen. Aufgrund weniger Erkenntnisse der  früheren Tests, sollte ein neuer Test mehr Erkenntnisse bringen.
Der Test sollte  in der Tagschicht laufen,  der Testbeginn musste aber  auf die Nachtschicht verschoben werden, die aber nur unzureichend über den bisherigen Verlauf informiert war. Der eigentliche Unfall ereignete sich in wenigen Sekunden. Die Folgen sind noch über Jahrhunderte zu spüren.  Im Nachinein wurde als Unfallursache vieles erwogen. Sicher ist aber, dass eine unglückliche Verkettung verschiedener Umstände die Katastrophe erst ermöglichte. Gravierende technische Mängel am Reaktortyp RBMK, der als instabile Konstruktion bezeichnet wurde und nur in der damaligen Sowjetunion zum Einsatz kam sowie die mangelnde Ausbildung und Information des Personals sind die Hauptursachen.  Hinzu kamen unzureichende Betriebsvorschriften und die Tatsache, dass eine wirksame Hülle um den Reaktor fehlte, die die bei einem Unfall auftretenden radioaktiven Stoffe hätte zurückhalten können. Die Dachkonstruktion des Reaktorgebäudes war nicht viel stärker als ein Autogaragendach nach deutschen Bauvorschriften.

Große Mengen an radioaktiven Stoffen gerieten in den nächsten Tagen in die Atmosphäre, neben radioaktiven Edelgasen wie Krypton und Xenon auch Cäsium, Jod, Strontium, Plutonium und weitere verschiedene Radionuklide. Durch die starke  Thermik stiegen sie über 1.500 Meter hoch und verteilten sich großflächig in verschiedene Richtungen. Durch den vorherrschenden Nordwestwind waren die Ukraine, Weißrussland (Belarus) und Russland besonders betroffen.
Etwa zwei Drittel der radioaktiven Stoffe gingen durch den starken, lang anhaltenden Regen, aber auch trocken auf Weißrussland nieder. Der Wind trug die erste Wolke weiter in den skandinavischen Raum. Sie erreichte das Baltikum, Schweden und Finnland. Die zweite Wolke zog zunächst über Polen nach Osten, wo sie wetterbedingt nach Süd- und Westdeutschland umgelenkt wurde. Sie überquerte im weiteren Verlauf Nordfrankreich und Großbritannien und zog schließlich um die ganze nördliche Halbkugel. Seltsamerweise blieb die sowjetische Hauptstadt Moskau von jeglichem Niederschlag verschont. Damals wurden Vermutungen laut, dass auf Anweisung der russischen Regierung eine Spezialtruppe der Luftwaffe beauftragt wurde, die Wolken zu „impfen“ und künstlich abregnen zu lassen. Dieses wurde allerdings immer bestritten.

Der Kampf gegen das durch die Explosion des Reaktorblocks im „Lenin“-Kraftwerk entstandene Feuer wurde bereits nach vier Minuten von 14 Feuerwehrmännern des Kraftwerks aufgenommen. Sie konzentrierten sich darauf, die etwa 30 Brandherde einzudämmen. Schon sieben Minuten später trafen zehn Feuerwehrleute aus der Kraftwerkerstadt Pripjat ein. Bis zum frühen Morgen wurden insgesamt 250 Feuerwehrleute eingesetzt.
Bereits bei der ersten Inspektion des Brandes muss den Löschmannschaften klar gewesen sein, dass der Reaktor frei lag und sie einer ungeheuren Strahlungsdosis ausgesetzt waren, ohne geeignete Schutzkleidung für sie oder die Kraftwerksmannschaft und ohne  vom Arzt zur Verfügung gestellte Jodtabletten, die als erste Hilfe bei radioaktiver Verstrahlung wirken
Die ersten sechs eingesetzten Feuerwehrleute der Kraftwerksfeuerwehr wurden schon bald in die Klinik nach Pripjat eingeliefert und zwölf Stunden später in die Moskauer Klinik Nr. 6 verlegt, wo sie schnell an den Folgen der Strahlung starben, die sie in der Nacht zum 26. April 1986 aushalten mussten.  Auch einige Mitarbeiter der Kraftwerksmannschaft erlagen schnell den Folgen der Bestrahlung.
Vorrangiges Ziel der folgenden Katastrophenschutzmaßnahmen war es, eine erneute Kettenreaktion auszuschließen, eine weitere Aufheizung der Brennelemente zu verhindern, die Direktstrahlung ausreichend abzuschirmen und die Freisetzung von Radionukliden zu reduzieren. Dafür wurden nach dem Unfall insgesamt etwa 860.000 Personen, die sogenannten Liquidatoren, zu Räumungs- und Dekontaminierungsarbeiten eingesetzt. Die genaue Zahl der Katastrophenhelfer wurde nie genau ermittelt und schwankt so bei den entsprechenden Quellen.
Innerhalb von sieben Monaten gelang es den Liquidatoren, das zerstörte Reaktorgebäude und dessen geschmolzenen Kern durch einen Stahlbetonmantel einzuschließen. Dieser Sarkophag sollte die Strahlung abschirmen und den restlichen Brennstoff einschließen. 96 Prozent an radioaktivem Inventar, die in den Reaktortrümmern verblieben, lagerten sich an verschiedenen Stellen ab. Während und nach der Explosion des Reaktors entstanden aus dem Kernbrennstoff aufgrund von physikalischen und thermo-chemischen Prozessen verschiedene Modifikationen, vor allem Fragmente der Brennelemente, lavaartige Massen, die mit anderen Materialien verschmolzen oder vermischt wurden. Dadurch wurden ursprünglich nicht-radioaktive Materialien wie Bautrümmer und Schutt kontaminiert und vergrößerten dementsprechend das Volumen an radioaktiven Materialien im Sarkophag. Dieser sollte für hundert Jahre sicher sein. Man musste aber feststellen, dass diese Annahme nicht stimmte und so wurde bereits vor Jahren damit begonnen, eine neue Schutzhülle für den alten Sarkophag zu bauen, die im Jahre 2017 fertiggestellt und über die alte Schutzhülle geschoben werden soll. Bis zum 12. Dezember 2000 blieb der Reaktorkomplex Tschernobyl aufgrund der angespannten Energiesituation in der Ukraine am Netz.

Die Messungen aus Schweden alarmierten die Welt. Überall in Europa herrschte Begriffsverwirrung über die Einheiten. Von „harmlos“ bis „Tausende von Toten“ wurde alles Mögliche erwogen. Begriffe wie „Becquerel“ und „Halbwertzeit“ waren plötzlich in Deutschland in aller Munde. Die sowjetische Regierung spielte den Unfall herunter, eine von der Kraftwerksleitung begonnene „Nichtinformationsstrategie“ sollte einerseits die Menschen in der Sowjetunion beruhigen, andererseits wurden aber zur gleichen Zeit aus der Region um Tschernoby über hunderttausend  Menschen evakuiert.  Im Umkreis von dreißig Kilometern wurde das Gebiet um das Atomkraftwerk nach Höhe der Strahlenbelastung in drei Zonen aufgeteilt:
Zone 1: Radius von vier bis fünf Kilometer um die Anlage, von der erwartet wird, dass sie auf sehr lange Zeit nicht mehr bewohnbar ist.
Zone 2: Radius fünf bis zehn Kilometer um die Anlage.  Hier nimmt man an, dass sie später mit Einschränkungen wieder genutzt werden kann.
Zone 3: Diese Zone umfasst einen schwächer belasteten Bereich von zehn bis 30 Kilometer um die Anlage, der eine Rückkehr der Bevölkerung möglicherweise wieder erlaubt und in dem Landwirtschaft kontrolliert wieder möglich sein dürfte.
An den jeweiligen Grenzen werden auch heute noch Zugangskontrollen durchgeführt.

In der nahe dem Kraftwerk gelegenen Stadt Pripjat lebten damals  ca. 47.000 Menschen, davon 17.000 Kinder. Pripjat wurde für die Mitarbeiter des Kraftwerkes gebaut. Es war eine schöne Stadt, direkt am Wasser gelegen mit einem Yachthafen, Grünflächen, Sportanlagen, Kindergärten und Schulen – eine Stadt in der man sein Leben genießen konnte. Die Einwohner von Pripjat wurden aufgrund der Nichtinformationsstrategie der Kraftwerksleitung erst 36 Stunden später über den Unfall informiert. In dieser Zeit fanden noch Sportveranstaltungen wie Radrennen, Hochzeiten sowie Vorbereitungen auf die Feierlichkeiten zum 1. Mai statt. Damit niemand davon erfuhr, was in Pripjat los war, wurden alle Telefonverbindungen gekappt. Kurz nach dem Mittag des 28. April 1986 schickte die Regierung die ersten Busse, um die Einwohner zu evakuieren. Außer Dokumenten, Familienfotos und Geld durften sie nichts mitnehmen. Man versicherte ihnen, es sei nur eine Vorsichtsmaßnahme und sie würden nach kurzer Zeit wieder zurückkommen. In den folgenden Tagen und Wochen folgte aus dem inzwischen zur Sperrzone erklärten Gebiet im Dreißig-Kilometer-Radius um den Reaktor und aus besonders stark betroffenen Gebieten außerhalb dieser Zone die Evakuierung weiterer 90.000 Menschen.

Ein Großteil der aus Pripjat evakuierten Bewohner wurde nach Kiew evakuiert, da gerade zu dieser Zeit in Kiew-Watutinski Neubauten in 14-stöckigen Hochhäusern bezugsfertig wurden. Die ca. 14.000 evakuierten Bürger aus Pripjat, darunter ca. 4.000 Kinder, wurden natürlich nicht mit offenen Armen empfangen, denn sie nahmen ja den Einheimischen die schon zugesagten neuen Wohnungen weg – und das, wo Wohnraum das begehrteste Gut der damaligen Sowjetunion war und heute noch ist.

Seit 1992 hilft der in Eich ansässige Verein SOS `86 – Kinder von Tschernobyl e.V. Kindern und Familien, die unter den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe gelitten haben und heute noch leiden.
Im Laufe von nunmehr 24 Jahren hat der Verein 78 Hilfsgütertransporte durchgeführt, insbesondere mit medizinischem Gerät, Krankenhausausstattungen, Medikamenten, Kleidung und Lebensmitteln.
Es wurde vielen strahlengeschädigten Personen medizinische Hilfe bei Ärzten und in Kliniken in Deutschland ermöglicht. Zu den heute noch durchgeführten Projekten zählen 44 Kinder- und Familienerholungsmaßnahmen in Deutschland sowie 47 Informationsfahrten in die Ukraine, zweimal jährlich stattfindende Fahrten von freitags bis samstags der kommenden Woche für Mitglieder und Nichtmitglieder. SOS `86 – Kinder von Tschernobyl e.V. arbeitet mit der ältesten humanitären Nichtregierungsorganisation in Kiew  Landsleute (Zemlyaki) zusammen, deren Projekte für hilfsbedürftige Bürger finanziell von SOS `86 unterstützt werden. Hierbei geht es in erster Linie um Hilfe für kranke Kinder und Jugendliche sowie medizinische Hilfe für Rentner.
Weitere Informationen über den Verein SOS `86 – Kinder von Tschernobyl e.V. kann man auf seiner Webseite www.sos-kindervontschernobyl.de finden. Hier sind auch die Termine für die nächsten Vereinsaktivitäten vermerkt. Der Verein lädt Interessierte zur 48. Informationsfahrt in die Ukraine ein und sucht für die 45. Kindererholungsmaßnahme im August noch Gasteltern. Interessierte können sich gerne beim ersten Vorsitzenden des Vereines, Herrn Rolf Konersmann, Telefon 06246/7466, melden.

Horst Engelhardt im Alter von 91 Jahren verstorben

Am 2. Februar verstarb unser langjähriger väterlicher Freund und Förderer unseres Vereins
Herr Horst Engelhardt im 92. Lebensjahr.
Wir werden seine freundliche Art, seine Hilfsbereitschaft und sein liebevolles Wesen tief in
unserem Herzen bewahren.
Seit mehr als zwanzig Jahren hat er durch seine Hilfe vielen Kindern und Familien in der Ukraine
Hoffnung und neuen Lebensmut geschenkt.
Wir verneigen und dankbar vor seinem Lebenswerk.

Rolf Konersmann

Termine 2016

50. Informationsfahrt nach Kiew

Freitag, 9. Juni 2017 bis Samstag, 17. Juni 2017

 

51. Informationsfahrt nach Kiew

Freitag, 6. Oktober 2017 bis Samstag 14. Oktober 2017

46. Kinder- und Familienerholungsmaßnahme

Samstag, 15. Juli 2017 bis Samstag, 5. August 2017

 

 


48. Informationsfahrt

Freitag, 3. Juni bis Samstag, 11. Juni 2016

 

Mitgliederversammlung 2016

Freitag, 24. Juni 2016

 

45. Kinder- und Familienerholungsmaßnahme

Samstag, 6. August bis Samstag, 27. August 2016

 

49. Informationsfahrt

Freitag, 30. September bis Samstag, 08. Oktober 2016

Gala zugunsten der Kinder von Tschernobyl in der Katharinenkirche am 06.11.2015

Auf Einladung der Stadt Oppenheim und der evangelischen Kirchengemeinde gaben sich international anerkannte Musiker mit einem herausragenden Konzert ein Stelldichein zugunsten des humanitären Vereins "SOS '86 - Kinder von Tschernobyl e.V."

Benefiz-Gala am 06.11.2015

Benefiz-Gala am 06.11.2015

Flyer für die Benefiz-Gala am 06.11.2015
Benefiz-Gala am 06.11.2015
Benefiz-Gala am 06.11.2015

Hansjürgen Bodderas begrüßte die Gäste im Namen der evangelischen Kirchengemeinde. Für die Stadt Oppenheim dankte Stadtbürgermeister Marcus Held (MdB) und Schirmherr der Veranstaltung dem Vorsitzenden des Vereins Rolf Konersmann für sein Engagement für das Zustandekommen dieses Konzertes. Dessen sehr informative und persönliche Anmerkungen über die Gründungshistorie des Vereins umfasste auch die Darlegung der Motivation für die nach wie vor notwendige und segensreiche Arbeit der Unterstützung von Kindern und mittlerweile auch Erwachsenen sowie Flüchtlingen in der Ukraine.

Das in dieser Konstellation wohl einmalige Konzert von Solisten- und Ensemblekunst begann mit der "Holberg Suite" Op. 40. Von Edvard Grieg. Die "Lemberger Solisten" , ein Kammermusikensemble mit neun international ausgezeichneten Künstlern, verzauberten durch einen faszinierenden Vortrag. Die fünf Sätze des Werkes mit ihren wechselnden Charakteren: zupackend, lyrisch, tänzerisch, sind dem Stil der musikalischen Tanz- und Liedformen des frühen 18. Jahrhunderts nachempfunden.

Das "Wiegenlied" von Georg Gershwin und der "Ungarische Tanz Nr. 5" von Johannes Brahms waren auch in dieser kammermusikalischen Besetzung ein eindrückliches Erlebnis, ebenso das populäre für Klavier komponierte "Alla turca" .

Das "Beethoven-Duo" mit der Pianistin Alina Kabanova und Fjodor Elesin am Violoncello zählt zu den Kammermusikensembles der Weltspitze. Zusammen mit dem Geiger Alexandre Brussilovsky, dem Yehudy Menuhin bescheinigt, ein exzellenter Musiker und Geiger zu sein, spielten sie das Trio g-moll Op. 3 des französischen Komponisten Ernest Chausson (1855-1899). Das viersätzige Werk umfasste alle nur möglichen und auch gegensätzliche musikalische Facetten: Vital und lyrisch, melancholisch und dramatisch, romantisch und beschwingt. Die Darbietung war voller Energie und überzeugender Emotion. Eine Zugabe der ganz besonderen Art erwartete die Zuhörer mit einer Bearbeitung der von Mussorgsky komponierten "Bilder einer Ausstellung". Der in Köln lebende Komponist Boris Kosak hat für das Ensemble des Abends das Werk auf originelle und amüsante Weise umgesetzt. Die "Lemberger Solisten" - Solovioline, Klavier, und Violoncello - brachten mit der amüsanten und an Wiedererkennung des Originals reichen Darbietung das Publikum zum Schmunzeln.

 

 

 

 

Durch Dialog mit den Bürgern der Ukraine Vorurteile abbauen

SOS `86 – Kinder von Tschernobyl e.V. beteiligt sich am Programm des Auswärtigen Amts „Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland“

Auch im Jahre 2016 wirft die deutsche Kultur- und Bildungspolitik ein besonderes Augenmerk auf Osteuropa, denn mit dem Ukrainekonflikt ist Krieg nach Europa zurückgekehrt.

Unsere Bundesregierung reagiert hierauf mit politischen Instrumenten, aber auch mit den Mitteln der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Politische Verständigung, Krisenprävention und Krisenvorbeugung gelingt nur, wenn kulturelle Arbeit im vorpolitischen Raum vorab den Boden dafür bereitet hat.

So setzt die Bundesregierung darauf, dass neben der vom Staat gestalteten Außenpolitik die Einbindung der Zivilgesellschaften im In- und Ausland für außenpolitische Dialog-, Entscheidungs- und Handlungsprozesse immer wichtiger wird. Somit werden die Organisationen der Zivilgesellschaft und die in ihnen engagierten Bürgerinnen und Bürger zentrale Akteure und wichtige Partner für staatliches Handeln.

SOS ´86 – Kinder von Tschernobyl e.V. beteiligt sich dieses Jahr mit einem zweiteiligen Projekt an dem Programm des Auswärtigen Amts. Es wurde ein „Deutsches Zentrum“ im Bezirk Kiew-Desnyanski gegründet als Mittelpunkt der Vereinsarbeit in der Ukraine. Dort wird kostenloser Deutschunterricht von einer qualifizierten Deutschlehrerin für Jugendliche angeboten, Kinderfeste ausgerichtet und ukrainischen Bürgern die Möglichkeit zu Informationsgesprächen und Hilfsersuchen gegeben. Ziel ist es, durch den Dialog mit den Bürgern der Ukraine, insbesondere Jugendlichen und Studenten dazu beitragen, dass Vorurteile abgebaut werden und mangelnde Gesprächsbereitschaft aufgebaut wird.

Der zweite Teil des Projektes ist eine Zusammenarbeit mit der größten Universität der Ukraine, der Taras Shevchenko Universität in Kiew. Hier findet eine Dialogveranstaltungsreihe mit über 30 ukrainischen Studenten statt. Es wird über verschiedene Themen referiert und diskutiert, wie z.B. über die Themen Demokratie und Wirtschaft, Kapital und Finanzmärkte, die Ukraine und die Europäische Union, Bildung und Chancen auf dem Arbeitsmarkt usw. Als Referent konnte der Verein seinen Ehrenvorsitzenden, Herrn Harald Christ, gewinnen, der in der deutschen Wirtschaft und Politik Rang und Namen hat.

Rolf Konersmann, Vorsitzender des Vereines und Entwickler des Projektes erhielt am 1. Juli 2016 den Zuwendungsbescheid des Bundesverwaltungsamtes. „Ich bin glücklich, dass das Auswärtige Amt unser Projekt geprüft und zur Bewilligung vorgeschlagen hat“, so der Vorsitzende. „Das soll nur ein Anfang sein. Aufgrund der vielen Vorgespräche bin ich mir sicher, dass wir auch in den kommenden Jahren unseren Beitrag an der Demokratisierung und Europäisierung der Ukraine leisten können.“

Der Verein SOS `86 – Kinder von Tschernobyl e.V begeht im Jahre 2017 sein 25-jähriges Jubiläum. Leider hat die Ukraine bis heute die Folgen der Reaktorkatastrophe von 1986 noch nicht überwunden und nach der Selbstständigkeit des Staates den schwierigen Weg aus dem Kommunismus in die Demokratie noch nicht vollendet. Die Ukraine braucht weiterhin unsere Unterstützung, denn sie gehört zu Europa.